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Mensch, wo bist du?

...also, ich war von Mittwoch bis sonntag auf dem Kirchentag in Bremen.
Hier ein kurzer Überblick über die Zeit dort.

Mittwoch

Am Mittwoch konnte ich in der Schule ein paar Überstunden abfeiern und dadurch schon früh nach Hause. Dort packte ich schnell noch die letzten Rest zusammen und machte mich auf den Weg nach Bremen. Im Fahrradabteil des IC fand ich ein Plätzchen, wo ich meine Tasche und darauf mich für die Dauer der Reise parken konnte. Ich kam zur selben Zeit an wie der Teil meiner Gruppe, der mit dem Reisebus zwei Stunden eher losgefahren war. Wir bezogen unser Quartier in einer Grundschule und ich machte mich anschließend auf den Weg zum Eröffnungsgottesdienst, wo ich Mary traf. Wir verbrachten den Gottesdienst und den Abend der Begegnung zusammen. Als ich schließlich wieder im Quartier war, fiel ich sofort in meinen Schlafsack. Ich hatte ja noch ein Schlafdefizit vom Wochenende und war morgens um halb 6 aufgestanden.

Donnerstag
Am Donnerstag besuchte ich mit Mary eine Bibelarbeit von Thomas Reiter. Leider stellte sich aber heraus, dass es insgesamt eher ein (guter) Vortrag über den Weltraum war, der Bogen zum Glauben aber nicht geschlagen wurde. Schade. Auch als Mary Thomas Reiter später darauf ansprach, war seine Antwort zum Thema Glauben eher oberflächlich und ausweichend.
Im Anschluss fuhren wir mit Wibi plus Anhang, die wir an der Bushaltestelle zufällig trafen, zur Überseestadt, um unsere "Kollegen" von Misereor am dortigen Stand zu besuchen. Irgendwie nett, wenn man solche Anlaufstellen hat.
Danach trennten wir uns und ich fuhr mit wibi zurück zum Messegelände. Wir liefen noch ein wenig herum und stellten uns dann für das Wise-Guys-Konzert an. Um 16 Uhr holte ich Inga vom Bahnhof ab. In dieser Zeit entschied sich der Himmel, eine Sintflut über dem Konzertort niedergehen zu lassen. Wibi und die anderen mussten ihre Plätze ziemlich weit vorne aufgeben, weil sie zu gefährlich waren. Es wurde sogar der Soundcheck unterbrochen und die Lautsprecher runtergeholt. Inga und ich fanden Wibi zum Glück trotzdem wieder und als die erste Absperrung wieder freigegeben wurde, erkämpften wir uns unsere alten Plätze zurück. Es war zuerst echt furchtbar eng. Später, als das Vorprogramm begann, entzerrte sich alles wieder etwas. Der Kinderchor im Vorprogramm war echt gut. Einer der kleinen Solisten war eine echte Rampensau. Total genial. Er war vielleicht so 7-8 Jahre alt und ging voll ab. Mich hätte man vermutlich in diesem Alter gar nicht erst auf eine Bühne vor so viele Menschen draufgekriegt...
Der Gospelchor danach war für mich nicht so beeindruckend. Dafür aber dann das Wise-Guys-Konzert.
Es herrschte eine tolle Stimmung und man sah den Jungs den Spaß an, mit dem sie auf der Bühne standen.
Das hob die eigene Laune dann nur noch mehr.
Nach dem Konzert glühten wir noch ein Weilchen am Ort des Geschehens nach, bevor wir uns auf den Rückweg zur Unterkunft machten.

Freitag

Der Freitag war quasi unser persönlicher "Großkampftag". Vormittags ging ich mit Inga über den Kirchentag. Wir waren vom Konzert noch in einer so guten Stimmung, dass es uns gar nichts ausmachte, Leute anzusprechen und zu unserer Beatmesse am Abend einzuladen. Das macht doch Hoffnung für den nächsten Misereor-Teamer-Einsatz. Wir haben's ja immer gesagt: wir brauchen bloß etwas Zeit!
Mittags war dann erste Lagebesprechung und Aufgabenverteilung in "unserer" Stammkneipe, der Roten Nase.
Nachdem alle Klarheiten und Sicherheiten beseitigt waren, machten wir uns auf zum Messegelände. Dort fiel es einigen in unserer Gruppe so schwer, das Alphabet rückwärts aufzusagen, dass Inga und ich auf alle warten mussten, um sicher zu gehen, dass alle den Buchstaben "F" finden, mit dem unser Eingang gekennzeichnet war.
Vor Ort luden wir alles aus und vertrieben uns die Zeit mit Liedzettel-Kampf-Falten. Tatsächlich wurde der letzte Zettel pünktlich um 18 Uhr fertig, so dass wir voll ausgestattet zum Aufbau gehen konnten. Ich hatte mit Nicky die Aufgabe, den Altar auf der Bühne aufzubauen. Dazu mussten wir jedoch die Band zunächst überzeugen, dass wir nicht erst nach ihrem Soundcheck auf die Bühne dürfen und dass es durchaus für einen Gottesdienst sinnvoll ist, wenn der Altar in der Mitte steht. Mit ein bisschen Herumgezicke ließ sich das aber alles regeln, so dass wir zu Beginn des Feierabendmahles alles fertig hatten. Sogar unser (illegaler) Beatmessewein hatte seinen Weg in die Halle und dort auch prompt dankbare Abnehmer gefunden.
Das Feierabendmahl war dann schon ein tolles Erlebnis. Da ich später bei der Beatmesse zwei Texte vorlesen sollte, durfte ich auf der Bühne sitzen. Es ist so ein geniales Gefühl, vor einer Halle zu sitzen, die mit 3800 Leuten gefüllt ist! Alleine schon, als das erste Lied angesagt wurde und die Liedzettel-Aufschlag-Welle durch die Menschenmasse zog - ein toller Anblick!
Später während beider Gottesdienste haben ich und meine Mitleserinnen vorne mal einfach mit Klatschen bzw. Liedblattschwenken angefangen und die Leute unten haben wirklich mitgemacht! Das hat unverschämt viel Spaß gemacht! Könnte ich mich glatt dran gewöhnen!
Das Vorlesen unserer Texte hat laut späterer Aussagen von Zuhörern auch sehr gut geklappt.
Etwas schade war, dass während der Beatmesse doch viele Leute die Halle verließen, aber zumindest kam von vielen dort verbliebenen Leuten später Lob für die gelungene Veranstaltung.
Irgendwie waren die vier Stunden sehr schnell vorbei. Auch das Aufräumen klappte reibungslos und mit einem angenehm euphorischen, schwebenden Gefühl machten wir uns auf den Rückweg. Na ja, ich zumindest. In die anderen konnte ich ja nicht reingucken.

Samstag
Am Samstag machten Inga und ich uns mit demselben beschingten Gefühl schon früh auf zu Eddis Bibelarbeit. Dummerweise war es zwar früh, aber wohl nicht früh genug. Als wir pünktlich (!) vor der Halle ankamen, standen dort schon Helfer mit dem Schild "Halle überfüllt" und wir hatten keine Chance mehr, teilzunehmen. Ohne jemandem etwas unterstellen zu wollen, fand ich es doch schade, dass sich da offenbar viele vom "wise Guys" haben anziehen lassen, die vielleicht gar nict so sehr am Inhalt, sondern vielmehr daran interessiert waren, "einen von den Wise Guys" zu sehen.
Da es draußen auch keine Lautsprecher gab und schon der Weg zur Halle abgesperrt war, konnten wir auch nicht von außen zuhören.
Ich fand das sehr schade, denn ich hatte schon die Predigt von Eddi und Dän auf dem letzten Kirchentag mit Interesse gehört und war sehr gespannt auf die Inhalte, die Eddi vermitteln würde. Enttäuscht vertrieb ich mir die Zeit auf dem Gelände um die Halle herum. Dort gab es unter Anderem einen Verein, der gemeinsame Projekte mit Menschen mit und ohne Behinderung durchführt. Dort waren auch sehr interessante Cartoons ausgestellt und man hatte die Möglichkeit, sich auf Post-it-Zetteln dazu zu äußern.
Beim Lesen der Äußerungen fiel mir wieder auf, dass viele Menschen, die vielleicht nicht so viel mit Menschen mit Behinderungen zu tun haben, manche Witze total unverschämt finden, die die Menschen mit Behinderung selber und auch Leute wie ich, die viel mit ihnen zu tun haben, zum Brüllen finden. Gerade weil sie die Realität auf den Punkt treffen. Sehr süß fand ich den Cartoon, der ein Klassenfoto mit behinderten Kindern zeigte, die vom Fotografen dazu aufgefordert wurden, doch etwas trauriger zu gucken, sie seien schließlich behindert!
Die Cartoons besänftigten mich wieder etwas und ich freute mich, als schließlich die Notausgänge der Halle geöffnet wurden, so dass ich zumindest die letzten paar Minuten der Bibelarbeit mithören konnte. Die klangen allerdings schon so, dass ich mir ziemlich sicher war, dass ich den Rest auch ansprechend gefunden hätte. Hmpf.

Später traf ich mich mit Inga wieder, die zwischendurch weggefahren war und wir gingen noch einmal "unsere" Misereors besuchen, bevor wir uns ein schönes Plätzchen auf eier Wise suchten, um dort ein bisschen Pause zu machen. Von dort aus konnten wir sehen, wie sich vor dem Veranstaltungszelt in der Nähe schon die nächste Schlange bildete. Diesmal für das offene Singen mit Eddi und seiner Schwester. Wir beschlossen kurzerhand, uns nicht anzustellen, sondern wie normale Menschen einfach auf den Beginn zu warten und dann zu sehen, ob wir noch reinkamen. Irgendwie ist dieser Konzert-Anstell-Stress doch bei normalen Kirchentagsveranstaltungen total fehl am Platz!
Als wir uns kurz vor Beginn der Veranstaltung in die Halle begaben, fanden wir auch noch Plätze und hatten nun schon zum zweiten Mal das Vergnügen, das offene Singen mitzumachen. Eddi und seine Schwester hatten eine gute Mischung an Liedern gefunden, unter denen auch klassische und einige mehrstimmige Lieder waren, die nach kurzem Einüben total super klangen. Es gab aber tatsächlich Leute, die bei der Frage, ob wir vierstimmig singen wollten, mit "Nein" stimmten (zum Glück die Minderheit) und auch einige, die sich bei den ersten klassischen Liedern vom Acker machten. Tja, ein offenes Singen ist eben doch kein Wise-Guys-Konzert.
Eddi hatte das auch am anfang direkt gesagt, aber manche müssen's ja erst spüren...
Inga und ich fanden das Singen dagegen total schön. Einfach toll, wenn so ein Klang das Zelt erfüllt und man sieht, dass es allen Beteiligten Spaß macht.
Nach dem Singen wurden wir gebeten, das Zelt schnell für die nächste Veranstaltung zu räumen. Wir besuchten noch schnell die adere Schicht der Misereors und fuhren dann zum Eisessen in die Stadt. Danach gingen wir zum Marktplatz, wo wir am politischen Abendgebet, das nicht ganz mein Fall war, und am Viva-Voce-Konzert, das mir deutlich mehr zusagte, teilzunehmen. Hier fiel uns wieder auch, dass es total bekloppte Fans gibt. Ein kleiner Junge (er reichte mir nicht einmal bis zur Hüfte) kam zu Beginn des Konzertes nach vorne, weil er gerne etwas sehen wollte. Also sprachen wir die Mädels vor uns in der ersten Reihe an, ob sie ihn mal vorlassen könnten. Da meinten die tatsächlich, dass sie das nicht tun würden, denn sie stünden da ja schon seit 16 Uhr.
Hallo?!
Das ist ein Kirchentag!
Wie kann man sich da so unmenschlich verhalten?
Und überhaupt: haben die ihre Augen in den Knien?
Sehr seltsam...
Zum Glück waren ein paar Mädels weiter links etwas netter. Das Konzert mache sehr viel Spaß und Viva Voce waren sehr beeindruckt von der Menschenmenge, die sich auf dem Marktplatz versammelt hatte. Nach dem Konzert gab es noch ein Abendgebet, dass ich ebenfalls nicht sooo toll fand. Es gab dort eine ziemlich unfähige Übersetzerin und einen für meinen Geschmak zu langen Vortrag. Nach Abschluss des Gebetes tummelte sich ein Teil unserer Gruppe noch auf dem kleinen Afterglow, bevor wir uns auf den Weg zurück zum Bus machten.
Es ist übrigens total lustig, wenn die "Nebengeherin" ungefähr 5 Minuten vor sich hin redet, dann mit "Interessiert das überhaupt irgendwen, was ich hier sage?" den Monolog schließt und sich herausstellt, dass echt keiner zugehört hat. Ist jetzt im Nachhinein natürlich von der Situationskomik befreit, aber ich hab mich abgerollt, bis ich Bauchschmerzen hatte...

Sonntag
Ich hatte mich entschieden, am Sonntag nicht mit dem Bus nach Köln zurückzufahren, sondern am Abschlussgottesdienst teilzunehmen und dann den Zug direkt in meinen Heimatort zu nehmen. Zeitlich käme das sowieso aufs Gleiche heraus.
Der Abschlussgottesdienst war sehr schön und stimmungsvoll und bildete einen guten Abschluss für den Kirchentag. Beim Nachprogramm sang noch einmal Viva Voce und die Jungs genossen es wieder sichtlich, vor so vielen Menschen zu stehen und zu singen (nach meinem eigenen Erlebnis am Freitag konnte ich das nur zu gut nachvollziehen!). Das Nachprogramm war ein guter Ausklang. Danach verabschiedeten wir uns noch von denen, die wir während des Kirchentages immer wieder getroffen hatten und machten uns auf den Weg zum Bahnhof.
Ich hatte super Glück, denn ich fand in meinem Zug sofort einen freien Sitzplatz. Eigentlich war ich müde, aber mein Kopf war so voll von Eindrücken, dass ich nicht schlafen konnte. Am späten Nachmittag wurde ich müde, aber voll mit guten, neuen Erfahrungen von meinem Freund abgeholt, der mir die Wiederankunft mit Erdbeertötchen versüßte.

Und heute?
Heute hab ich mich gefragt, wie es sein kann, dass eine Woche so schnell vergeht. Vor einer Woche bin ich gerade erst in Bremen angekommen.
Das Schlafdefizit vom Wochenende ist immer noch nicht ganz weggeschlafen.
Aber wie meistens nach solchen Sachen: das war's wert!
Ich freu mich jetzt schon auf den nächsten Kirchentag! Vermutlich wird das für mich der ökumenische in München sein. Da bin ich dann auch wenigstens nicht mehr in der Konfessionsminderheit!

ENDE

Kirchentagshuhn am 25.5.09 19:13

Letzte Einträge: Eben gefunden..., Weiter geht's... Lampe, die Zweite, Lampe, die dritte: q.e.d., Immer wieder sonntags..., Da staunt der Laie..., No comment...

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bisher 7 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Yeti (26.5.09 12:36)
Oh man, ich wäre auch soooo gerne dabei gewesen! Aber auf das Seminar, das ich am WE hatte möchte ich auch nicht verzichtet haben. Bin also auf der einen Seite echt froh hier geblieben zu sein, auf der anderen auch echt traurig!
Ich bin gespannt, wie der Bericht weiter geht! Fühl dich gedrückt!


Sirenia (27.5.09 19:27)
Ein wirklich schöner Bericht!
Dem über die Beatmesse ist nichts hinzuzufügen, es war wirklich schön, die Stimmung war toll und die Texte sehr ansprechend.
Scheinbar waren die merkwürdigen Mädels bei Viva Voce im ganzen Publikum verteilt; ich und meine Ohren waren sehr froh, für das Nachtgebet dann doch geflohen zu sein.

Viele Grüße mit doch berechtiger Hoffnung, dass man sich beim ÖKT (und auch vorher noch) sieht,
Sirenia


Ursel / Website (27.5.09 20:45)
Fantastischer Bericht, danke schön! Da kann man auch als "Daheim-Gebliebene" einen Eindruck nachempfinden. Wir sehen uns auf dem ÖKT in 2010


H.K. (27.5.09 23:14)
Danke für den netten Bericht!
Bei Deinem Bericht bedaure ich es noch mehr, dass ich mit (auch irgendwie interessanten) Infostand- Dienst in Halle 5 und dem wenigstens etwas Ausruhen meines lädierten Knies beschäftigt war... Eddis Bibelarbeit und vor allem auch das Singen hätten mich sehr interessiert!
Wenn ich die etwas mysteriösen Andeutungen von Wibi und Dir richtig interpretiere, sehen wir uns ja wohl in Juist, oder?
Bis dahin viele Grüße!
H.K.


Strolchi (27.5.09 23:19)
Lieben Dank für deinen persönlichen Einblick in deine Tage in Bremen.
Du hast Recht, die Zeit schwindet, und irgendwie bin ich zwar wieder drin im Alltag, aber im Hintergrund schwirren noch immer die Eindrücke der Tage rum und wollen und müssen verarbeitet werden.
Ein dickes Dankeschön geht aber v.a. an "eure" Freitagabendveranstaltung! Tolle Stimmung, klasse Musik, gute Akustik, ansprechende und nachdenklichmachende Texte,... rundum gelungen.
Wir sehen uns, so Gott will, in München. (oder auch schon ein wenig früher. )
Liebe Grüße
Strolchi


Inga (28.5.09 18:28)
*in Erinnerungen schwelg*

(ach, und überhaupt: "...sich herausstellt, dass echt keiner zugehört hat." Hmpf!!! ;-) )


Anglia (2.6.09 01:24)
Ein ganz liebes Dankeschön für den ausführli-
chen Bericht. Ich habe mir den Abschlußgottes-
dienst im TV angesehen. Obwohl ich nicht live dabei war, ist die Botschaft doch angekommen.