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Ankommen...

Gestern Abend stand ich zufällig bei einem Gespräch dabei, in dem es darum ging, warum man eine sichere Sache für eine eher unsichere und beängstigende Zukunft aufgibt.
Die betreffende Person meinte: "Ich möchte einfach mal ankommen. Ich hatte die ganzen Jahre nie das Gefühl, da angekommen zu sein, wo ich hin will."
Ich dachte mir nur leise: "Das kenn ich."
Weiter ging das Gespräch damit, dass die Leute, zu denen die Person nun hingeht, fest von den Fähigkeiten der Person überzeugt sind, während sie selbst eher daran zweifelt, diese Erwartungen erfüllen zu können.
Ich dachte mir wieder: "Jep, so isset."
Auch ich habe ja im Januar den Kurs gewechselt und mich auf etwas Neues eingelassen.
Und auch mir erzählen ständig Leute, ich sei ja so souverän und kompetent und hätte das letzte halbe Jahr so gut geschafft, dass sie mich dafür bewunderten.
Ich selbst dagegen hatte im letzten halben Jahr und habe manchmal auch heute noch nur dieses Motto: "Nur die Panik nicht außer Kontrolle geraten lassen!"
Da ist nix mit Souveränität und Sicherheit.
Aber nett, wenn's so wirkt...

Um aber noch mal auf das Ankommen zurückzukommen.
Ich habe mich gestern gefragt, ob das überhaupt geht. Ankommen.
So endgültig.
Und was damit gemeint sein könnte.
Kann man sich im Leben endgültig angekommen fühlen?
Sicher, an manchen Punkten geht das, man fühlt sich wohl und hat das Gefühl: "So kann es bleiben."
Aber oft genug bleibt es ja eben nicht so.
Und selbst wenn, dann gewöhnt man sich daran und wird dessen eventuell überdrüssig.
Komplett ankommen: Familie, Beruf, Freunde, Umfeld, Geld...
Geht das?
Bei mir ging es bisher nicht.
Zumindest nicht komplett.
Es gibt Orte, die mir Heimat sind und die mir Heimat waren.
Mein Elternhaus.
Meine Messdienergruppe.
Meine Ausbildungsklasse in der Schule.
Mein Freund.
Meine Freunde.
Da gehörte (und gehöre) ich hin.
Aber solche Dinge vergehen ja. Man zieht aus dem Elternhaus aus, die Gruppe löst sich auf, die Ausbildung wird beendet, der Wohnort so verlegt, dass man den Freund nur noch selten sehen kann, die Freunde wohnen so weit weg, dass sie nicht jederzeit verfügbar sind.
Sicher, es kommen neue Dinge.
Neue Wohnung, neues Kollegium, neue Leute, die Freunde werden könnten.
Orte und Menschen, bei denen man ankommen kann.
Aber für immer?
Ich glaube es nicht.
Ich habe keine Ahnung, wohin mich mein Leben führt.
Bin ich nächstes Jahr noch hier?
Oder gehe ich woanders hin?
Lohnt es sich, das Ankommen hier zu versuchen, nur um die Zelte gleich wieder abzubrechen?
Sind all diese Stationen und Situationen nicht nur eine Art Gasthäuser am Wegesrand, in denen man sich wohlfühlt, in denen man gern Pause macht und wo man manchmal auch gern für immer bleiben würde, weil man Angst vor dem weiteren Weg hat?
Aber sie sind und bleiben Zwischenstationen.
Es geht immer weiter.
Allerdings kann man sich ja auch auf einem Weg wohlfühlen. Zum Beispiel auf der Radtour im Sommer.
Es kann völlig okay sein, unterwegs zu sein.
Wenn es der richtige Weg ist.
Vielleicht heißt "ankommen" ja auch bloß, den richtigen Weg zu finden.
Einen Weg, der mein Weg ist.
Den ich gerne gehe, weil er weder zu schwer noch zu leicht ist.
Weil ich Zuflucht finde, wenn ich welche brauche, aber auch die Freiheit, Umwege und Irrwege zu gehen.
Weil er Ansprüche stellt, ohne mich zu überfordern.
Weil Menschen mit mir gehen, auf die ich mich verlassen kann.
Vielleicht ist es das...
Ankommen.

Passend zu diesen Gedanken lief ich heute auf dem Weg zur Kirche an einer Graffiti-Wand entlang, auf die ein Zitat von Hermann Hesse geschrieben war:

Wo befreundete Wege
zusammenlaufen,
da sieht die ganze Welt
für eine Stunde
wie Heimat aus.

Huhn auf dem Weg am 14.9.08 12:49

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