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Wie der Huhnsinn weiterging...

Alles begann mit dem gestrigen SMS-Dialog.

Tja, was soll man da groß sagen. Wenig später befand ich mich auf der Autobahn in Richtung Aachen. Auf halber Strecke sammelte ich Papagena ein und weiter ging's nach Aachen.
Da wir trotz intensiver Suche keinen kostenlosen Parkplatz finden konnten, mussten wir das Auto im Parkhaus abstellen in einer genau auf mein Auto zugeschnittenen Mini-Parklücke. Sehr aufmerksam vom Parkhaus-Architekten.
Während ich also meinem Auto ein Dach über dem Kopf verschaffte, verschaffte Papagena und Eintrittkarten für das Konzert.
Wir hatten Glück und fanden ein Schnäppchen-Angebot.
Wenig später standen wir vor der Tür zum Saal, wo wir noch ca. 20 Minuten von den Halogenstrahlern über uns gegrillt wurden, bis wir schön knusprig braun gebraten in die Halle durften. Wir fanden relativ mittig vor der Bühne Stehplätze und hatten nur ein paar Kinder vor uns.
Optimale Bedingungen also!
Schnell nochmal Pipi machen, wer will, kauft ein Eis und dann reiten wir....äh, nee... dann ging es los. Ohne Eis und Pferde, aber nachdem Christph Winkel noch schnell den roten Strahler für den Opener in die Bühnenmitte gestellt hatte.

Ich finde ja besonders das Intro von Am Anfang total schön. Um es richtig zu genießen, hab ich kurzerhand die Augen geschlossen. Es war ja zunächst sowieso ziemlich dunkel. Meinetwegen könnte das ganze Lied nur aus dem Intro bestehen, das ist einfach klasse.
Irgendwann wurden dann aber die Bühnenscheinwerfer eingeschaltet, was ich sogar mit geschlossenen Augen bemerkte. Ich dachte mir, dass es ja irgendwie bekloppt ist, bei so guter Sicht auf die Bühne die Augen weiter geschlossen zu halten. Außerdem sah das bestimmt auch für die Jungs da vorne auf der Bühne seltsam aus und könnte zu falschen Rückschlüssen ("Sind wir echt sooo hässlich?!") führen, wenn da ein Konzertteilnehmer die ganze Zeit mit geschlossenen Augen rumsteht.
Mit offenen Augen - obwohl dazu eigentlich echt nur offene Ohren nötig gewesen wären - bekam ich mit, dass das Publikum nach der Frage im Lied "Seid ihr mit dabei?" nur zögernd mit Gejubel und "Ja"-Rufen einsetzte. Es schien nicht so ganz klar zu sein, ob eine Antwort hier erwünscht war oder es sich um eine rhetorische Frage handelte (immerhin waren wir ja im Raum und machten keine Anstalten, die Örtlichkeit fluchtartig zu verlassen...).
Im Anschluss begrüßte Dän die Anwesenden und erzählte, dass es ein neues Album gebe (ach, nee?) und dass auf diesem Album ja ältere und neure Lieder seien. Das folgende sei schon länger im Programm, man könne also sagen, es sei relativ alt.
Danach berichtete Dän vom Leiden als zusammengecastete Band, in der es für jede Frau einen Typ Mann gebe, den die Frauen dann anhimmeln könnten, ohne von den anderen vieren davon gestört zu werden. (Ich sach mal nix, ne?) Auf Tour gäbe es dann immer wieder Identitätskonflikte zwischen dem Bühnen-Ich und dem eigentlichen Ich.
Nach Däns Aussage litte Sari unter dieser Situation am meisten. Es folgte Es ist nicht immer leicht. Ich mag an dem Lied besonders die Stelle, wo Sari seine Kollegen nachmacht. Wie immer gelang es ihm nur ansatzweise Clemens' Leidensmiene nachzumachen, ohne grinsen zu müssen.
Traditionell folgte nach diesem dritten Lied die Zuschauerbefragung. Dän legte fest, dass Clemens diesmal die CD verschenken dürfe. Clemens freute sich, denn er hatte schon eine Idee und fragte nach de größten Person im Saal. Als Richtwert gab er 2.03 m an. Bei diesem Wert meldete sich keiner, aber als Clemens auf 2 m reduzierte, gab es zwei Meldungen. Die beiden Männer waren ungefähr gleich groß und Clemens entschied sich dafür, die CD dem Mann mit den roten Haaren zu geben, denn die durch die Haare wirke er noch etwas exotischer.
Schön entspannt ging es danach mit Die ersten warmen Tage weiter. Wer sich jedoch durch diese Stimmung eingelullert fühlte und der Meinung war, es könne jetzt immer so weitergehen, dem wurde diese Illusion von Clemens in der darauf folgenden Moderation brutal geraubt. Jetzt würde es nämlich kompliziert. Clemens fachsimpelte von der Entstehung der Heliumatome in der Sonne und der dabei entstehenden Wärme, wurde an dieser Stelle mit einem Applaus unterbrochen, bedankte sich bescheiden und wies darauf hin, dass dieser Zustand nicht ihm, sondern dem Schöpfer zu verdanken sei. Er fuhr noch etwas mit seinen Erklärungen fort und schloss damit, dass derjenige, der bei seiner Abhandlung nicht aufgepasst habe, leider auch das nächste Lied nicht verstehen könne. Zum Glück hatte ich die Moderation ganz gut verstanden, so dass ich mir keine Sorgen machen musste. Hätte ich aber auch so nicht machen müssen, denn im Gegensatz zu manchen chemischen oder physikalischen Vorgängen finde ich den Inhalt des Liedes Sonnenschein total nachvollziehbar. Die Kinder um mich herum machten zu Eddis Freude direkt beim ersten Mal das "uh-u" im Refrain mit und als der Rest des Publikums merkte, dass dies offenbar gerne gesehen wurde, stimmten sie mit ein.
Eddi kam im Anschluss noch einmal auf das Thema Identitätsprobleme zurück und erzählte, dass es nicht leicht sei, sich mit manchen Dingen abzufinden. Zum Beispiel hätte sich Sari erst nach 25 Jahren damit abfinden können, beim Metzger immer noch eine Scheibe Fleischwurst angeboten zu bekommen. Eddi hingegen sei zum "Mitmachheini" geboren. Er müsse die Leute einfach zum Mitmachen animieren. Das gehe so weit, dass sogar seine Kinder zuhause schon nur noch fragten, wann der Mitmachheini denn wiederkomme. Um zu demonstrieren, wie gut er Leute animieren konnte, forderte Eddi uns danach auf, zweimal zu klatschen. Das klappte erstaunlichereise sofort total klasse, so dass es mit Du kannst nicht alles haben weitergehen konnte. Naja, zumindest fing es erstmal an. In der Mitte hatte Eddi nämlich einen Texthänger. Er sang die zweite Strophe, baute aber eine Zeile ein, die er kurz zuvor schon gesungen hatte. Das bemerkte er dann auch just in diesem Moment, murmelte "nein, da kommt doch...", die Stelle, die er dann nannte, war zwar richtig, mittlerweile aber auch schon vorbei. Darauf spulte Eddi sein inneres Tonband vor - er machte zumindest solche Vorspulgeräusche -, bis er beim Refrain lachend wieder einsetzte. Auch die anderen vier Kollegen hatten ihren Spaß.
Weil es direkt danach mit Jetzt und Hier weiterging, blieben Eddi die bissigen Kommentare der anderen und uns einige weitere Lacher erspart. Auf Stehkonzerten finde ich "Jetzt und Hier" total passend und besonders gestern passte es, denn es war einfach klasse, genau jetzt hier zu sein. Ich hätte schließlich auch vernünftig sein und zu Hause bleiben können.
Dän erklärte im Anschluss, dass in anderen Ländern wie z.B. Irland Volkslieder total beliebt wären und von allen gesungen würden. Hierzulande hätten erst die Nazis und dann Karl Moik der Beliebtheit der Volkslieder aber sehr geschadet. Trotzdem hätten sie jetzt mal ein Volkslied geschrieben, dass mit allen gängigen Klischees breche und so auch für die Jugend zugänglich sei. Dies stellte sich auch sofort als richtig heraus, zumindest schunkelten und sangen die Kinder in meiner Nähe alle eifrig mit.
um die große Stilbandbreite darzustellen, sollte im Anschluss ein Reaggae folgen - das Gras der Popmusik, wie Dän meinte. Wobei dieser Musikstil ja durchaus politische Inhalte habe. Bob Marley habe zum Beispiel sinngemäß gesungen, dass die Welt schlecht sei und wenn ihn das übermorgen immer noch störte, würde er möglicherweise mal etwas dagegen tun. Um die Musik also möglichst wahrheitsgetreu zu vermitteln, sollte es auch im nächsten Lied um ein Konfliktthema gehen, nämlich den Vergleich zwischen Männern und Frauen. Da sei diese ruhige Musik sehr hilfreich, denn bei sowas sei ja immer schnell eine Seite beleidigt - zum Beispiel Männer oder Frauen. Seitdem Clemens sein E-Gitarren-Solo variiert, gefällt mir das Lied noch besser. Allerdings ist es ja sowieso toll, denn es kommen ja Hühner drin vor
Zu unserer Überraschung kam danach Radio. Das Publikum sang leise und passend mit, nur die Kinder neben mir meinten es mit dem Klatschen etwas zu gut. Beim Refrain finde ich es ja schon nicht sooo passend, aber einmal angefangen, kannte die ungefähr 13 Jahre alte Klatschmaschine neben mir überhaupt kein Ende mehr... Na ja, immerhin auf 2 und 4. Ohne Rücksicht auf Verluste und Generalpausen.
Zum Glück war bei der Deutschlehrerin der Rhythmus weniger stark ausgeprägt, so dass das Mitklatschen ausblieb. Auch die Deutschkenntnisse schienen nur oberflächlich zu sein, denn nur bei den ganz krassen Fehlern hörte man das Lachen des Publikums.

In der Pause blieb ich an meinem Platz. Da Papagena nun losgeritten war, um ein Eis zukaufen...ihr wisst schon ... hatte ich genug Platz, mich einen Moment hinzusetzen und den Gesprächen der Kinder zuzuhören. Das war echt witzig. Hier einige Beispiele:
"Der mit der Glatze, das ist doch der Ferrence, oder?" (die haben das so amerkianisch ausgesprochen, deswegen hab ich's falsch geschrieben).
"Clemens ist doch der Große, oder?" (das hätte Clemens vermutlich sehr gefreut)
"Sari ist der mit dem Mädchenkleid" (gemeint war das Sonnenschein-Shirt, dass Sari zuvor zu Werbezwecken angehabt hatte. Nicht ohne den Hinweis von Dän, dass man vor dem Kauf von Kleidungsstücken darauf achten solle, ob einem das betreffende Kleidungsstück auch stehe. Sie hätten auch schon erlebt, dass dies nicht der Fall sei. Und das auch noch in der eigenen Band.)

Nach der Pause ging es mit Wir hatten eine gute Zeit los. Das finde ich persönlich etwas schade, weil dann die ersten Töne im Gejubel der Leute untergehen. (Böse Zungen behaupten allerdings, dass dies manchmal auch besser sei *zu Isch schiel*).
Nachdem das Licht wieder heller war, fand Dän irgendwelchen (imaginären?) Staub auf Eddis Schulter, den er demonstrativ abklopfte. Clemens (oder Sari?) kümmerte sich direkt um die andere Seite. Dän beruhigte die Zuschauer, die befürchteten, dass es jetzt die ganze Zeit so getragen weitergehe. Es würde auch wieder schneller, allerdings würde es langsam schneller. Die Choreographie von "Langsam" finde ich immer noch richtig schön und witzig. Lustig, wie das alle gleich und trotzdem jeder etwas anders macht.
Bei Wo der Pfeffer wächst gelang es dem Publikum nicht ganz, Dän davon zu überzeugen, dass wir auch ohne ihn klarkommen. Also sangen wir das Lied eben zusammen mit Dän. War auch schön und irgendwie sehr dynamisch.
"Pfeffer" war, wie Clemens erklärte, vom vorvorvorvorletzen Album. Im Gegensatz sei das nächste Lied brandneu. Um Fitness und Choreographie zu verbessern, hätten sie sich die Hilfe eines amerikanischen Fitnessgurus geholt. Da sie aber geschworen hätten, immer nur zu fünft auf der Bühne zu stehen, habe der gehen müssen, bei dem "In Sachen Fitness und Choreographie eh Hopfen uns Malz verloren" seien. Aber das sei ja egal, denn sie hätten Ersatz in Person von "Marc Shakiri". Ich finde es ja immer besonders nett, Sari mit dem Stirnband zu sehen *ETF zuzwinker*.
Quäl dich fit!" an sich halte ich für eines der stärksten auf dem Album. Es ist irgendwie mitreißend und dynamisch und hat einen originellen Text, der live durch die Choreographie super unterstützt wird. Klasse!
Mit dem Vergleich von Nicolas Sakozy und seiner Geliebten Carla Bruni mit der Fiktion von Angela Merkel mit Til Schweiger an der Ostsee wurde Paris eingeleitet. Franzosen könnten aus Alltäglichkeiten einfach besser etwas Romantisches machen.
Nach so viel Romantik folgte mein persönlicher momentaner Programm-Knaller: Alles in die Luft ist einfach nur toll skurril und macht super Spaß. Man bräuchte nur etwas mehr Platz zum Mitzappeln, als ihn der durchschnittliche Stehplatz bietet. Und dabei mag ich gar keine Kinofilme, bei denen alles grundlos explodiert. Aber auf der Bühne ist es toll...
Die aufgekommene Stimmung wurde von Dän mit einer Atemübung ausgebremst. Wir sollten tief ein- und mit einem "f" wieder ausatmen. Dabei sollten wir an die letzte gescheiterte Beziehung denken, dann könnten wir das nächste Lied nicht nur mitsingen, sondern "mitleben". Kurz darauf kam Clemens mit Leidensmiene und nassem Kopf auf die Bühne. Meinetwegen dürfte Nur für dich ja mal eine Bühnenpause einlegen, aber gut gesungen und dargestellt war es trotzdem. Und die meisten Leute sind da eh anderer Meinung als ich.
Dass Eddi wirklich wieder halbwegs gesund war, merkte man daran, dass Sing mal wieder zurück im Programm war. Das Publikum sang souverän und Clemens' skeptischem Blick zum Trotz alle Tonfolgen mit. War richtig gut irgendwie.
Gut war auch das Lied, das Däns Aussage nach aus den verschiedenen Wünschen der Fans zusammengesetzt war: Männer, die eine Coverversion und Frauen, die Coreographien sehen wollten, kleine Jungen, die sich Zombies wünschten, ein Wuppertaler, der seinen Lieblingskoch besungen haben wollte, Deutschlehrerinnen, die etwas über die Weimarer Klassik hören wollten, und Fans von Ferenc, der etwas zu lachen und Eddi, der etwas zu sägen haben sollte. Schiller vereinte diese Wünsche gekonnt. Schade war nur, dass später wieder alle mitklatschten. Wieder so eine Sache, bei der ich anderer Meinung bin als der Rest um mich herum.

Als erste Zugabe folgte Schunkeln und im Gegensatz zu den Pantheon-Konzerten schien Clemens fast zu gut gelaunt zu sein, um richtig böse werden zu können. Zumindest wirkte er auf mich gestern etwas gemäßigter. Trotz angeschwollener Halsschlagader.
Jetzt ist Sommer ließ die gute Laune anhalten und zu meiner Freude kam als letzte Zugabe Ruf doch mal an. Dabei kann man auf Stehkonzerten so schön mithüpfen und testen, ob die eigene Fitness ausreicht, um zu hüpfen und zu singen. Wenn man das durchhält, ist man nachher sön fertig und freut sich, dass das Konzert zuende ist, damit man verschnaufen kann.

Im Afterglow traf ich tollerweise Isch und Zixxel, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet hatte (und Papagena, die davon seit der Pause wusste, hatte brav die Klappe gehalten).
Dadurch war ich dann direkt noch besser drauf und es wunderte mich an diesem runden Abend irgendwie überhaupt nicht, dass sich sogar die Gelegenheit ergab, immerhin drei der fünft Jungs von Rike zu grüßen, wobei sogar Dän noch ein Wörtchen mit mir wechselte. Dass wir drei (Papagena, Isch und ich) von Eddi mit Umarmung begrüßt wurden und wir uns verhältnismäßig lange mit ihm unterhalten haben, bereitete dem Abend ein schönes Ende.
Irgendwie kam da am letzten Ferientag tatsächlich ein bisschen Urlaubs-und Entspannungsfeeling auf. Geht doch!

Huhnsinn, die zweite am 31.3.08 20:17

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