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Wie schön ist es zu leben...

...und Gottes Kind zu sein.

...vielleicht trifft diese Liedzeile, die so passend bei einem offenen Singen auf dem Kirchentag zitiert wurde, am ehesten das Gefühl, das der Kirchentag vermittelt und wieder neu bewusst gemacht hat.
Das waren einfach knappe 5 Tage pures Leben, in denen mal wieder ganz klar wurde, was wirklich wichtig ist, und dass das oft jenseits von jeglichem Leistungs- und Erfolgsdenken oder Egoismus zu suchen ist.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.
Da war zum Einen das Wise Guys-Konzert im Senftöpfchen, das neben der Wohnzimmeratmosphäre und der Abwesenheit von Mikros und Verstärkern gerade dadurch so schön und persönlich wurde, dass nicht immer alles perfekt war.
Es ist schön zu sehen, dass gerade die Fehler, Macken und Eigenheiten jedes einzelnen einen großen Beitrag dazu leisten, ihn für andere liebenswert erscheinen zu lassen!
Und es lebt sich viel entspannter, wenn man sich seine Nicht-Perfektheit eingesteht und man lernt, mit sich und seinen Macken zu leben! Einfach Mensch sein!

Etwas anstrengend, aber auch auf seine Weise schön war es, zweimal morgens in einer Schule das Frühstück auszugeben. Nicht nur, dass es ein seltsam gutes Gefühl ist, nach 2 Stunden Schlaf total übermüdet zu sein und nicht mehr gerade stehen zu können, wenn man weiß, dass man das freiwillig tut und weil es Spaß macht!
Es ist auch ein gutes Gefühl ein "Danke" zu hören und es fällt auf, wie wenig Menschen dieses "Danke" sagen. In einer Zeit, wo das "Danke" oft nur in Form einer Bezahlung ausgesprochen wird, taucht ein Lächeln und ein anerkennender Blick viel zu selten auf. Dabei kostet das nichts und es freut denjenigen, der es empfängt, viel mehr. Zumindest, wenn ich das bin ;-)

Eine weitere schöne Erfahrung waren die zwei offenen Singen, an denen ich teilgenommen habe. Es macht nicht nur Spaß, in einer so großen Gruppe zu singen, weil sich das richtig klasse anhört, sondern auch, weil über das Singen ein Gemeinschaftsgefühl entsteht.
Und das nicht nur unter den singenden vor der Bühne, sondern in den beiden erlebten Fällen auch deutlich erkennbar auf der Bühne. Da waren nicht viele Menschen vor und ein paar auf der Bühne, die vor sich hingesungen haben, sondern eine große Gruppe, die gemeinsam gesungen hat und die alle von demselben Gefühl ergriffen waren!
Schön!
Ach ja, und wer half dem Huhn bei dem ersten Ei?

Ein eindruckvolles Ereignis der ganz anderen Art war das große Konzert der Wise Guys auf den Poller Wisen vor 70000(!!!) Menschen.
Wenn man auf der Leinwand diese nicht enden wollende Menschenmasse sah, die gemeinsam feierte, war das schon richtig Wahnsinn.
Für mich kam das Konzert von der Intensität nicht ganz an das Gefühl im Senftöpfchen heran, was zum Einen an der Distanz zur Bühne und den seltsamen WDR-Menschen, die dauernd die Sicht versperrten, lag und zum Anderen daran, dass mir dort einfach insgesamt zu viel Unruhe, zu viel Gekreische etc. war.
Und es war mir irgendwie ein wenig zu professionell, zu steril, weil die Jungs sich offenbar Mühe gaben, nicht albern und möglichst ohne Fehler den Abend zu bestreiten.
Trotzdem war es aber schön, die beeindruckten Gesichter der Jungs angesichts dieser Menschenmasse zu sehen und es hat Spaß gemacht, sich mit ihnen und für sie zu freuen.

Ein anderer Höhepunkt - wenn nicht der Höhepunkt überhaupt - war das Feierabendmahl am Freitag. Von Anfang an herrschte dort eine wunderbare Atmosphäre des gemeinsamen Feierns. Und das war nicht die bekannte getragene und etwas steife Feierlichkeit, die man sonst aus den sonntäglichen Gottesdiensten kennt, sondern eine Fröhlichkeit und Lockerheit - eben Spaß!
Egal, ob ruhig sitzend, stehend und tanzend oder sogar liegend - alles war erlaubt und alles passte!
Verdichtet wurde dieses Gefühl, als es zum eigentlichen Gegenstand der Feier ging, nämlich der "Speisung der 5000".
Es waren für 1500 Menschen Laugenstangen, Äpfel und Wasser bereitgestellt worden, die in Anlehnung an die Wunderbare Brotvermehrung in der Bibel unter den Feiernden geteilt werden sollten.
Nur waren keine 1500 Menschen da, sondern über 4000!
Eine Frau schnappte sich kurzerhand das Mikrofon des Pfarrers, um darauf hinzuweisen, dass doch bestimmt jeder etwas in seinem Rucksack habe. Doch eigentlich war dieser Hinweis gar nicht nötig. Man fand sich in Gruppen zusammen - ob man die Leute kannte oder nicht, spielte dabei keine Rolle - und holte alles hervor, was der Rucksack hergab. Bald gab es neben Laugenstangen und Äpfeln auch Kekse, Schokolade, Süßigkeiten...alles, was man sich vorstellen kann. Jeder nahm sich so viel, wie er brauchte, immer darauf bedacht, dass auch die anderen noch etwas abbekamen.
Zum Schluss strahlten nicht nur viele mit Glücktsränen in den Augen in die Runde, stimmten Lieder an oder waren einfach ergriffen, nein, es war auch jeder, der wollte, pappsatt und in den Körben sammelten sich massenhaft Reste.
Ein Mann brachte dem Pfarrer eine Dose Fisch nach vorne, damit zu den "5 Broten" auch die 2 Fische da seien.
Es ist eine Sache, diese Geschichte im Rahmen eines Gottesdienstes oder in der Schule zu hören oder zu lesen.
Es ist eine ganz andere, dieses Wunder - und das ist es, trotz ganz natürlicher Erklärung - selbst zu erfahren, mittendrin zu sein.
Und es kommt der Gedanke auf, was für eine Welt entstehen könnte, wenn es immer so wäre und überall. Nicht: "Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht", sondern "Wenn ich an all die anderen denke, denken auch ganz viele an mich!".
Funktioniert natürlich nur, wenn jeder mitmacht.
Aber dass das klappen kann, ist nicht nur Theorie, sondern ich und noch über 4000 andere haben es erlebt!
Zu diesem Erlebnis passte dann auch die anschließende Beatmesse und die darin zu hörende Predigt von Eddi und Dän, in der es um gerechte Verteilung der Güter und eine gerechte Welt ging.
Eindrucksvoller hätte der Beweis dafür, dass man, wenn man nicht nur an sich denkt, sondern zuerst an das, was Gott will, auch alles andere hinzubekommt, nicht geführt werden können, als in dem vorher stattfindenden Feierabendmahl.

Am Samstag schließlich hatte ich nach dem erneuten Frühstücksdienst eine Verabredung der besonderen Art: Inga und ich wollten und mit einer Freundin in der Stadt treffen. Und zwar, um uns gepflegt auf die Wiese zu legen und ein Stündchen zu schlafen.
Nachdem wir nach einem Umzug, weil die zuerst aufgesuchte Wiese durch Zigarettenkippen ekelig war und stank, ein geeignetes Plätzchen unter einem schönen großen Baum am Tanzbrunnen gefunden hatten, schliefen wir friedlich ein. Es war ein schönes Gefühl, dort in Gemeinschaft zu liegen, zu schlafen und irgendwo weit weg noch das Treiben um einen herum mitzubekommen. Da wir den ganzen Tag über müdewaren, wiederholten wir das Ganze noch öfter. Ein wunderbar entspannter, schöner Tag, an dem das Schweigen, wenn man zu müde zum Reden war, nicht unangenehm war und der mit einem schönen, schlagartig wach machenden Viva-Voce-Konzert endete.

Am Sonntag trafen wir uns dann nochmal mit den ganzen Forumsleuten zum Abschlussgottesdienst.
Es war ein schönes Gefühl, noch einmal gemeinsam Gottesdienst zu feiern und es ist schon toll, wenn zumindest einige Menschen aus dem Forum sich nicht nur durch die Wise Guys, sondern auch durch den Glauben verbunden fühlen.
Arm in Arm da zu stehen, sich anzulehnen, wenn die Müdigkeit zu groß wurde und gemeinsam zu tanzen und zu feiern - das hat man leider nicht jeden Tag.
Zum Glück erfolgte die Trennung vom Ort und von der Gruppe langsam. Es war genug Zeit, einfach auf den Poller Wiesen zu sitzen und die Gedanken schweifen zu lassen und genug Zeit, jeden einzelnen zum Abschied zu umarmen und sich noch einmal zu sagen, dass es schön miteinander war.

Der Kirchentag... Leben pur.
Und irgendwie ein Stück Himmel. Denn nichts anderes wird uns ja dort verheißen als ewiges LEBEN!

lebendiges Huhn am 14.6.07 20:20

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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Inga (14.6.07 20:32)
du hast soo recht!


isch (15.6.07 22:38)
Was soll man dazu sagen?
Ich hatte Gänsehaut beim lesen. Das war toll! *umarm*


Nicky (20.6.07 16:31)
Tja, und schon schafft sie es, mit solch einem Text zu predigen. Übrigens: Ein Pfarrer, der auch bei der Beatmesse war, fährt nun wohl nach Russland und wollte dort auch vom Feierabendmahl predigen. Er hat aber seine Predigt umgeschmissen und jetzt deinen Text eingefügt, weil ihm dieser am letzten Sonntag so gut gefallen hat.

Die Ergüsse unseres Huhn´s ziehen in die Welt hinein.